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Kapitel 5: Hallenluft

Illustration zu Kapitel 5

Die Sporthalle der Theodor-Storm-Schule roch nach Gummi, Schweiß und Harz, und wenn man hineinkam, schlug einem ein Lärm entgegen, der sich anfühlte wie eine Wand aus Watte.

„Ich will nicht“, sagte Finn.

„Du musst.“

„Ich hasse Hallen.“

„Du hasst alles, wo mehr als zwanzig Leute sind.“

„Das ist ein Prinzip.“

„Das ist eine Macke“, sagte Lotte und schob ihn durch die Doppeltür. „Ich hab dir einen Platz in der dritten Reihe besorgt. Von da kannst du alles sehen und bist trotzdem unsichtbar. Das ist die Idealposition.“

Es war Samstagnachmittag, Mitte September, und die Halle war bis zum letzten Platz gefüllt. Eltern mit Thermoskannen, Schüler in Vereinsschals, kleine Geschwister, die mit Trommeln und Rasseln auf den Rängen herumrannten. Auf dem Spielfeld wärmten sich die Mannschaften auf: die Heimmannschaft in Dunkelgrün, die Gäste von der HSG Nordstrand in Rot.

Finn ließ sich auf die Holzbank fallen. Neben ihm saß Pia, die er mitgenommen hatte, weil sie ihm sonst gedroht hätte, etwas zu verraten. Sie trug eine selbstgebastelte Papierfahne, auf der in krakeligen Buchstaben HOPP BEN stand.

„Woher weißt du, dass er Ben heißt?“, fragte Finn alarmiert.

„Du hast es mir gesagt.“

„Ich hab dir nicht gesagt, dass du eine Fahne basteln sollst.“

„Das war meine Idee.“ Sie hielt das Papier stolz in die Höhe. „Man muss Teamgeist zeigen.“

„Du bist nicht im Team.“

„Ich bin im Fanteam.“

Lotte kicherte und reichte ihr eine Tüte Gummibärchen. Pia nahm zwei Handvoll und mümmelte zufrieden vor sich hin.

* * *

Die Jacke hatte Finn am Mittwoch zurückgegeben. Auf dem Flur, vor dem Musikraum, mit der Geste eines Menschen, der sich nicht sicher ist, ob er einen Staatsakt oder eine Mülltonne überreicht.

„Danke“, hatte er gesagt.

„Hast du gefroren?“

„Nein. Sie war warm.“

„Das freut mich.“

Dann war ein Moment der Stille gekommen, in dem beide auf die Jacke in Bens Händen gestarrt hatten, als könne sie ihnen sagen, was sie als Nächstes tun sollten.

„Hast du am Samstag Zeit?“, hatte Ben gefragt.

„Ich muss in der Räucherei helfen.“

„Nur bis mittags, oder?“

„Ja, aber …“

„Wir haben ein Heimspiel. Um drei.“

Finn hatte ihn angesehen.

„Du musst nicht kommen“, hatte Ben schnell hinzugefügt. „Ich meine, nur wenn du willst. Ich frag nur. Weil Lotte meinte, dass du vielleicht … also, ich dachte …“

„Du hast mit Lotte gesprochen?“

„Sie hat mich in der Cafeteria abgefangen.“

„Natürlich hat sie das.“

Und dann, weil Finn ihm nicht wirklich nein sagen konnte, ohne dass es sich anfühlte, als würde er eine Tür vor einem Kind zuschlagen, hatte er geseufzt und gesagt: „Okay. Aber ich sitze weit hinten.“

„Dritte Reihe?“

„Wer hat dir das verraten?“

„Lotte.“

* * *

Als die Mannschaften zum Anpfiff aufliefen, sprang das ganze Publikum auf. Trommeln dröhnten. Jemand schwenkte ein riesiges Banner mit dem Schulwappen. Der Hallenlautsprecher krächzte die Namen der Spieler, und bei jedem Namen brandete Jubel auf.

„Auf Rückraum rechts: Nummer sieben, Ben Kowalski!“

Ein Wirbel aus Applaus. Finn spürte, wie sein Herz ein wenig zu schnell schlug.

Ben stand mitten auf dem Feld, in Dunkelgrün, mit einem Stirnband und diesem Gesichtsausdruck, den Finn schon kannte: konzentriert, offen, ein bisschen verbissen. Er war ein anderer Mensch, hier unten. Größer. Ruhiger. Als hätte er seine ganze Lautstärke auf einen einzigen Punkt in seinem Körper gebündelt und warte nur darauf, dass jemand sie abrief.

Er blickte kurz zu den Rängen hinauf, ließ den Blick wandern, über Eltern und Fahnen und Trommeln, und blieb an einer Stelle in der dritten Reihe hängen.

Er lächelte. Nur ganz kurz. Nur mit dem Mundwinkel.

Dann pfiff der Schiedsrichter.

* * *

Handball, stellte Finn nach den ersten zehn Minuten fest, war kein Sport, sondern ein kontrollierter Auffahrunfall.

Er verstand die Regeln nicht, nicht wirklich. Er verstand nur, dass Menschen mit hoher Geschwindigkeit aufeinander zurannten, sich dann im letzten Moment verdrehten, einen Ball über die Köpfe der anderen warfen und mit einem dumpfen Knall auf dem Hallenboden landeten. Das Quietschen der Schuhsohlen schnitt ihm durch die Ohren. Die Zuschauer brüllten. Neben ihm sprang Pia auf und ab und schrie „Los, Ben!“ in einer Tonlage, die Gläser zum Platzen bringen konnte.

„Er ist gut“, sagte Lotte, die sich zu ihm lehnte. „Er ist wirklich gut.“

„Ich seh nicht, was er macht.“

„Das ist normal. Es geht zu schnell.“

„Er hat gerade geworfen, oder?“

„Er hat getroffen“, sagte sie und klopfte ihm auf den Arm. „Zwei zu eins!“

Finn sah, wie Ben jubelnd die Faust in die Luft riss und seine Mannschaftskameraden ihn von allen Seiten umarmten. Dann drehte sich Ben um, suchte die Tribüne ab, und für einen Atemzug trafen sich ihre Blicke.

Finn hob zaghaft die Hand.

Ben strahlte so breit, dass man es im ganzen Saal gesehen haben musste.

* * *

Die Halbzeit kam.

Eine große Anzeigetafel blinkte rot auf. Heim 14 – Gast 12. Darunter, in leuchtenden Lettern: HALBZEIT.

Finn starrte das Wort an.

halbzeit_17.

Sein Magen sackte ein kleines Stück ab.

Es war ein Zufall. Natürlich war es ein Zufall. In einer Stadt, in der jeder zweite Junge Handball spielte, gab es hundert Menschen, die den Namen halbzeit hätten nehmen können. Und die Zahl siebzehn war nichts Besonderes. Sie war ein Alter. Eine Rückennummer. Ein Datum.

Er sah zu Ben, der gerade an der Seitenlinie stand und aus einer Wasserflasche trank, den Kopf in den Nacken gelegt, mit tropfnassen Haaren und einer Trikotnummer, die er von hier aus nicht erkennen konnte.

Nein, dachte er. Nein, nein, nein.

„Alles okay?“, fragte Lotte.

„Ja. Ich … brauche kurz Luft.“

„Soll ich mitkommen?“

„Nein. Bleib bei Pia.“

Er stand auf und drängte sich durch die Reihe, murmelte Entschuldigungen und kam schließlich in dem Gang an, der an der Rückseite der Tribüne entlang zu den Umkleiden führte. Dort war es kühler, leiser, nur das ferne Murmeln der Zuschauer drang durch die Wände. Er lehnte die Stirn an die kalten Fliesen und atmete.

Beruhig dich. Es ist ein Wort. Es ist nur ein Wort auf einer Anzeigetafel.

„Na, wen haben wir denn da.“

Er zuckte zusammen und drehte sich um.

Tobias Raake stand im Gang, in Spielkleidung, ein Handtuch über der Schulter. Er lehnte lässig an der Wand und musterte Finn mit der freundlichen Gelassenheit eines Raubtiers, das weiß, dass seine Beute nicht weglaufen kann.

„Albrecht“, sagte er. „Hab dich gar nicht gesehen.“

„Ich wollte nur …“

„Frische Luft schnappen? Verständlich. Ist ja ziemlich viel los.“ Tobi lächelte. „Sag mal, hast du eigentlich eine Ahnung, wie das aussieht?“

„Wie was aussieht?“

„Na, wie du Ben ständig anglotzt.“

Finn spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. „Ich glotze nicht.“

„Doch, tust du. Seit Wochen. Das ist peinlich. Für dich und für ihn.“

„Ich …“

„Ich meine das nicht böse“, sagte Tobi, und seine Stimme wurde samtig, gönnerhaft, das war das Schlimmste daran. „Ich meine nur: Er hat einen Ruf. Und du …“ Er ließ das Ende des Satzes in der Luft hängen, wie einen Köder.

„Und ich?“, fragte Finn leise.

„Du bist halt … du.“

Finn merkte, dass seine Hände zitterten. Nicht vor Angst, nicht ganz. Vor etwas anderem, etwas Heißerem, Älterem. Er hatte diesen Satz schon einmal gehört, in anderen Gängen, in anderen Mündern. Du bist halt du. Als sei das ein Urteil. Als sei das eine Krankheit.

„Ich weiß, wer ich bin“, sagte er.

„Das ist ja super.“

„Und ich weiß, dass ich nichts getan habe.“

„Noch nicht.“

Finn öffnete den Mund. Er wollte etwas sagen, etwas Scharfes, Kluges, etwas, das Tobi das Grinsen aus dem Gesicht wischen würde. Aber die Worte kamen nicht. Sie blieben irgendwo unterwegs stecken, wie Fische in einem zu engen Netz.

„Lass ihn in Ruhe.“

Die Stimme kam von der anderen Seite des Gangs.

Samira Yıldız stand da, in voller Torwartmontur, mit Handschuhen an den Händen und Helm unter dem Arm. Sie sah Tobi an, ruhig, aber mit einem Blick, der einen Betonblock hätte zum Zittern bringen können.

„Sam. Ich hab doch nur …“

„Ich hab alles gehört.“

„Das war ein Gespräch unter …“

„Das war ein Verhör“, sagte Samira. „Und du hast keine Lizenz dafür. Geh zurück zur Mannschaft. In zwei Minuten ist Anpfiff.“

„Ich bin Rückraum, du bist …“

„Ich bin die, die dich nach dem Spiel in der Umkleide gegen die Wand drückt, wenn du jetzt nicht gehst.“

Tobi sah sie an, sah Finn an, sah wieder sie an. Dann lachte er kurz, hob abwehrend die Hände und schlenderte davon.

„Meine Güte“, sagte Samira, als er verschwunden war. „Manche Männer haben echt einen Tunnelblick.“

„Danke“, flüsterte Finn.

„Gern.“ Sie musterte ihn. „Alles in Ordnung?“

„Ja.“

„Das war nicht überzeugend.“

„Ich weiß.“

Sie lehnte sich neben ihn an die Wand und zog die Handschuhe aus. Ihre Finger waren rot und aufgequollen vom Training. Sie atmete tief durch, wie jemand, der gerade eine schwere Entscheidung gefällt hat.

„Ich bin Samira“, sagte sie.

„Ich weiß.“

„Ich bin Bens beste Freundin.“

„Ich weiß.“

„Und ich muss dir was sagen.“

Finn sah sie an. Sein Herz klopfte schon wieder.

„Er ist nicht so wie Tobi“, sagte Samira. „Er ist ein ziemlich guter Mensch. Er ist nur gerade sehr, sehr durcheinander.“

„Weshalb?“

„Das darf ich nicht sagen.“

„Okay.“

„Aber ich dachte, du solltest wissen, dass es nicht an dir liegt.“

„Was liegt nicht an mir?“

Samira lächelte mild. „Das Durcheinander.“

Dann klopfte sie ihm auf die Schulter, setzte ihren Helm auf und marschierte Richtung Spielfeld, mit dem energischen Gang einer Frau, die gerade drei Probleme gelöst hatte und sich auf das vierte freute.

* * *

Die zweite Halbzeit begann mit einem Schlagabtausch. Nordstrand hatte aufgeholt, und der Lärm in der Halle wurde so dicht, dass Finn glaubte, ihn mit den Händen greifen zu können. Er war inzwischen auf seinen Platz zurückgekehrt, hatte Pia ein Gummibärchen aus der Hand geklaut, um sich abzulenken, und versuchte, ruhig zu atmen.

Auf dem Feld stand es nun 22 zu 22. Noch vier Minuten.

Ben hatte den Ball. Er stürmte nach vorn, wich einem Verteidiger aus, täuschte einen Wurf an, drehte sich, sprang …

Und im selben Moment schob sich von der Seite jemand mit voller Wucht in ihn hinein.

Es war ein harter Aufprall. Ein dumpfes Krachen, das durch die gesamte Halle hallte. Ben flog zur Seite, schlug mit der Schulter auf dem Boden auf, rutschte ein Stück über das Parkett. Der Ball rollte davon.

Die Pfeife des Schiedsrichters schrillte. Die Halle verstummte schlagartig.

„BEN!“, schrie Pia.

Finn war aufgesprungen, ohne es zu merken. Sein Herz hämmerte. Er sah, wie Ben sich auf einen Ellbogen stützte, das Gesicht verzerrt, die Hand an die Schulter gepresst. Sein Vater, ein bulliger Mann mit Vollbart und grauem Kapuzenpulli, kam von der Trainerbank gerannt und kniete sich neben ihn.

„Alles gut, Junge?“, hörte man ihn rufen.

„Ja. Ja, alles … ich hab nur …“

„Beweg den Arm.“

Ben bewegte den Arm. Er verzog das Gesicht, aber der Arm funktionierte.

„Kein Bruch“, sagte der Sanitäter, der inzwischen dazugekommen war. „Prellung. Aber er sollte raus.“

„Nein“, sagte Ben. „Ich kann spielen.“

„Du kannst nicht.“

„Papa, es sind noch vier Minuten.“

„Es ist ein Spiel, Ben. Es ist nur ein Spiel.“

Ben starrte seinen Vater an. Dann ließ er den Kopf kurz hängen, nickte und stand mit Hilfe des Sanitäters auf. Das Publikum applaudierte warm, als er von der Platte humpelte, und Finn merkte, dass auch er klatschte, mit zitternden Händen, ohne es zu wissen.

Ben lief zur Bank. Doch bevor er sich setzte, drehte er sich um und suchte erneut die Tribüne ab. Er brauchte nicht lange. Seine Augen fanden Finn sofort.

Er hob den gesunden Arm. Zeigte den Daumen nach oben.

Alles gut.

Finn schloss kurz die Augen vor Erleichterung, und als er sie wieder öffnete, lächelte Lotte ihn an, mit einem Gesichtsausdruck, den er schlecht deuten konnte. Es lag etwas darin, das zu weich war für Schadenfreude und zu klug für Mitleid.

„Du bist rot“, flüsterte sie.

„Ich bin aufgeregt.“

„Natürlich.“

* * *

Das Spiel endete 26 zu 25 für die Heimmannschaft. Der Jubel war ohrenbetäubend. Konfetti flog, Trommeln dröhnten, und die Spieler stürmten das Feld, um einander zu umarmen. Finn blieb sitzen. Er wartete, bis sich der Tumult ein wenig legte, bis Pia mit klebrigen Fingern vom Boden aufsprang und rief: „Wir haben gewonnen! Wir haben gewonnen!“, obwohl sie seit Jahren kein Interesse an Handball gezeigt hatte.

Dann sah er ihn.

Ben stand am Spielfeldrand, den Arm in einer Schlinge, umringt von Mitspielern, die ihn lachend an den Schultern packten. Er hatte rote Wangen, Schweiß im Gesicht und diese Augen, die selbst aus fünfzehn Metern Entfernung strahlten, als hätte jemand Licht darin angemacht.

Und er suchte ihn.

Finn merkte, dass er aufstand. Dass seine Füße ihn die Stufen hinuntertrugen. Dass er sich durch das Gedränge schob, vorbei an Eltern und Fans, bis er am Rand der Halle stand, zwei Schritte von Ben entfernt.

„Hey“, sagte Ben.

„Hey.“

„Du bist gekommen.“

„Ich hab’s versprochen.“

„Hast du nicht.“

„Hab ich im Kopf.“

Ben lachte. „Wie fandest du’s?“

„Laut.“

„Und?“

„Und … sehr beeindruckend.“ Finn musterte die Schlinge. „Tut es weh?“

„Nur wenn ich lache.“

„Dann hör auf zu lachen.“

„Mach ich nicht.“

Hinter ihnen räusperte sich jemand. Marek Kowalski, Bens Vater, stand mit verschränkten Armen da und betrachtete die beiden mit der unergründlichen Miene eines Mannes, der zwanzig Jahre lang Spielzüge gelesen hatte und gerade etwas Neues entdeckte.

„Papa“, sagte Ben. „Das ist Finn. Finn, das ist mein Vater.“

„Albrecht“, sagte Marek Kowalski.

„Ja.“

„Der von der Räucherei?“

„Ja.“

„Dein Vater macht den besten Heilbutt der Küste.“

„Danke.“

„Ich sag ihm das jedes Jahr. Er nickt immer nur.“

„Das ist seine Art, sich zu bedanken.“

Marek brummte etwas, das in gewissen Kulturen als Lachen durchgegangen wäre. Dann legte er seinem Sohn die Hand auf den gesunden Arm. „Ich fahr dich ins Krankenhaus. Zur Kontrolle.“

„Ist doch nur eine Prellung.“

„Dann ist die Kontrolle schnell vorbei.“

„Papa …“

„Ben.“

Ben seufzte und sah Finn mit einem entschuldigenden Lächeln an. „Siehst du, was ich aushalten muss.“

„Du Armer.“

„Ich leide.“

„Ich seh’s.“

Sie standen noch einen Moment da, mit all dem Lärm der Halle um sie herum, mit Jubel und Fahnen und dem fernen Klirren von Pokalen. Und dann, ganz plötzlich, beugte sich Ben ein Stück vor und sagte leise, sodass nur Finn es hören konnte:

„Danke, dass du da warst.“

Finn spürte seinen Atem am Ohr.

„Gern“, flüsterte er. „Immer.“

Das letzte Wort war ihm herausgerutscht, ohne dass er es kontrollieren konnte. Es hing zwischen ihnen in der Luft, groß und schwer, und keiner von beiden machte einen Versuch, es zurückzunehmen.

* * *

Draußen, vor der Halle, wurde es dämmrig. Über dem Parkplatz hing ein violetter Himmel, an dem die ersten Sterne durch das Dunkel brannten. Pia hüpfte voraus und sang etwas Unverständliches, Lotte hakte sich bei Finn ein.

„Du hast ihm gesagt, dass du immer da bist“, stellte sie fest.

„Ich war nur höflich.“

„Du warst glühend.“

„Ich war … sachlich.“

„Finn.“ Sie hielt ihn am Arm fest, blieb stehen und sah ihn direkt an. „Ich bin deine beste Freundin. Ich merke alles. Und das, was ich da drin gesehen hab, war nicht sachlich. Das war …“

„Was?“

Lotte lächelte, und es war ein warmes, ernstes Lächeln. „Das war der Beginn von etwas.“

Finn schwieg. Er blickte auf den Parkplatz, auf die Autos, die langsam ausparkten, auf die Familien, die lachend zu ihren Wagen gingen. Irgendwo dahinter, jenseits des Zauns, dehnte sich das dunkle Land hin zum Meer.

„Ich hab Angst“, sagte er schließlich.

„Ich weiß.“

„Ich will’s nicht nochmal vermasseln.“

„Dann vermassel’s nicht.“

„So einfach ist das nicht.“

„Nein“, sagte Lotte sanft. „Aber du musst auch nicht alles allein tragen.“

Er lehnte den Kopf an ihre Schulter. Hinter ihnen schloss jemand die Hallentür, und das Licht erlosch hinter den Fenstern.

In derselben Nacht, im Krankenhaus von Warnholm, saß Ben mit einem Eisbeutel auf der Schulter in einem weißen Wartezimmer und schrieb mit der freien Hand eine Nachricht.

halbzeit_17: Ich war heute auf dem Spielfeld und hab jemanden in der Menge gesucht. Und ich hab ihn gefunden. Ich glaube, ich bin ein bisschen verliebt, und ich hab keine Ahnung, was ich tun soll.

Er schickte sie ab.

Er hatte keine Ahnung, dass sie nicht an einen Fremden ging.

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